Was ist Interkulturelle Öffnung?

Was ist Interkulturelle Öffnung?

Interkulturelle Öffnung  ist ein Prozess der Organisationsentwicklung, durch den Verwaltungen, kleine und mittlere Betriebe, Unternehmen, soziale Dienste, Bildungseinrichtungen und andere Organisationen sich auf die heutige, von Migration geprägte Gesellschaft einstellen.

Das Ziel interkultureller Öffnung ist, Menschen mit Migrationshintergrund die gleiche Teilhabe an gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Prozessen zu ermöglichen. Ein gleichberechtigter Zugang zu Bildungseinrichtungen, öffentlichen und sozialen Diensten, Betrieben und Vereinen soll gewährleistet werden.  Dafür muss zunächst ein Bewusstsein für bestehende Zugangsbarrieren und Diskriminierung geschaffen werden, um sie dann abbauen zu können.

 Der Prozess der Organisationsentwicklung findet sowohl auf struktureller als auch auf individueller Ebene statt.

Auf der individuellen Ebene ist ein Ziel, dass die Mitarbeitenden kulturelle Vielfalt als gesellschaftliche Normalität anerkennen und wertschätzen. Sie sollen befähigt werden, in dieser differenzierten Gesellschaft handlungsfähig zu sein.

Auf der strukturellen Ebene werden Strukturen und Routinen an die gesellschaftliche Realität angepasst.

Interkulturelle Öffnung besteht aus verschiedenen Maßnahmen und Instrumenten, die auf den spezifischen Kontext und die Institution zugeschnitten sind.

Wie macht man den Anfang?

 Zunächst ist eine klare Entscheidung notwendig, diesen Prozess anzugehen. Wichtig dabei ist, dass die interkulturelle Öffnung von der Führungsebene gewollt ist, sie auch als Führungsaufgabe angesehen wird („top down“) und zugleich auf allen Ebenen von den Beschäftigten mitgetragen wird („bottom up“). Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollten beteiligt werden.

Interkulturelle Öffnung muss als langfristiger Prozess auf allen Ebenen begriffen werden, in den die gesamte Organisation einbezogen werden muss. Das heißt, interkulturelle Öffnung ist als Querschnittsaufgabe zu verstehen.

 Der Öffnungsprozess vollzieht sich

• auf der Ebene der Organisation (z.B. Leitbildentwicklung, Implementierung von interkultureller Öffnung als Querschnittsaufgabe)

• auf der Ebene des Personals (z.B. Einstellung von Personal mit Migrationshintergrund, interkulturelle Fort- und Weiterbildungen)

• auf der Ebene der Angebote, Produkte und Dienstleistungen

• sowie im Bereich der Kooperationen und Vernetzung nach außen.

Interkulturelle Öffnung oder Diversity Management?

 Zumeist wird der Begriff „Interkulturelle Öffnung“ vorrangig im Zusammenhang mit der Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund am gesellschaftlichen Leben verwendet.

Interkulturelle Öffnung  stellt die Kategorie Migration in den Mittelpunkt, während Diversity Management alle möglichen Ausprägungen von Vielfalt in der Gesellschaft einschließt. Neben den Merkmalen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) (ethnische Herkunft, Geschlecht, Alter, Behinderung, Religion/ Weltanschauung, sexuelle Identität) gibt es noch viele weitere, z.B. soziale und geografische Herkunft, Ausbildung und Berufserfahrung, Familienstand oder Nationalität.

Auch wenn sich interkulturelle Öffnung in erster Linie auf die Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund konzentriert, werden dabei die anderen Merkmale nicht ausgeblendet.

Diversity Management ist bisher eher aus der Personalwirtschaft in Unternehmen bekannt,  genau wie der Ansatz der interkulturellen Öffnung bezieht es sich aber eigentlich auf den gesamten gesellschaftspolitischen Bereich.   

Was ist Diversity?

Diversity bedeutet Vielfalt und schließt alle Unterschiede ein, die wir als Individuen mitbringen.

Unterschiede können u.a. in folgende Kategorien eingeteilt werden:

Merkmale nach AGG:

  • Geschlecht
  • Alter
  • Ethnische Herkunft
  • Behinderung
  • sexuelle Identität
  • Religion/ Weltanschauung

 Weitere Merkmale, z.B.:

  • Nationalität
  • Soziale & geografische Herkunft
  • Ausbildung & Berufserfahrung
  • Familienstand

Was ist Diversity Management?

Diversity Management ist eine Unternehmensstrategie, bei der Unterschiede als Bereicherung angesehen und Vielfalt als Mehrwert verstanden werden. Zum Ansatz des Diversity Managements zählen alle Maßnahmen in einer Organisation, die dazu beitragen, dass die Vielfalt der Belegschaft als Ressource berücksichtigt, wertgeschätzt und zur Steigerung des Erfolgs des Unternehmens eingesetzt und gefördert wird.

Der Ansatz ist somit weiter gefasst als der der interkulturellen Öffnung, welcher sich auf die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund konzentriert.

Dafür überprüfen Organisationen ihre Strukturen und Prozesse unter dem Gesichtspunkt einer Verbesserung der  Chancengleichheit. Somit zielt der Ansatz auch auf die gesellschaftliche Verantwortung, im Fokus steht aber das Erreichen von Wettbewerbsvorteilen und damit die Gewinnerzielung des Unternehmens.

Ist Diversity Management nicht ein Modebegriff für etwas, was es schon lange gibt?

Tatsächlich ist es so, dass es bereits lange vor der aktuellen Debatte um Diversity Management Ansätze und Strategien in der Personalarbeit gab,  die als Diversity Management-Elemente  gelten können. Dazu gehören Work-Life-Balance-Initiativen, Frauenförderung sowie interkulturelle Trainings, Kinderbetreuungsangebote, zielgruppenspezifisches Marketing und vieles mehr. Die meisten dieser Ansätze haben sich im Laufe der Zeit aus  dem Gender Mainstreaming und Cultural Mainstreaming entwickelt. Neu am Diversity Management ist eine systematische Verbindung der vorhandenen Ansätze zu einem Managementsystem, in dem die Vielfalt der Belegschaft als positiver Faktor wahrgenommen und gezielt eingesetzt wird.

Was ist Benachteiligung?

Benachteiligung bedeutet die schlechtere Behandlung von Menschen aufgrund ihrer

Herkunft, Hautfarbe, Nationalität,

Kultur, Sprache, Religion, Weltanschauung,

ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Identität, ihres Alters,

einer Behinderung

oder aufgrund eines anderen Merkmals.

Entscheidend ist nicht, ob diese Ungleichbehandlung absichtlich oder ohne Absicht ausgeübt wird, sondern die benachteiligende Wirkung an sich. Benachteiligung wird im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Diskriminierung bezeichnet. Oft führen unbewusste wie bewusste Vorurteile zu diskriminierenden Äußerungen, Handlungen oder Unterlassungen. Vorurteile hat jeder Mensch, in manchen Situationen sind sie hilfreich, in anderen hinderlich, etwa wenn sie zu diskriminierendem Verhalten führen.

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