Gespräch mit Christiane Böttcher, Personalleiterin RapidEye

Die RapidEye AG, Brandenburg an der Havel, ist ein global tätiger Geoinformations- dienstleister für Kunden im landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und kartografischen Bereich. RapidEye spricht Kunden in ganz Europa, in Nord-, Mittel- und Lateinamerika an – nur ca. 2% der Kunden stammen aus Deutschland. RapidEye ist Preisträger des Wettbewerbs „Kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz“ und hat in der Kategorie KMU den 3. Platz belegt. Der Wettbewerb ist Teil der Kampagne „Vielfalt als Chance“, die seit Sommer 2007 von der Bundesintegrationsbeauftragten Böhmer geführt wird mit dem Ziel, kulturelle Vielfalt als Erfolgsfaktor in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung stärker zu verankern.
Das Gespräch wurde mit Christiane Böttcher, Personalleiterin RapidEye geführt.

RapidEye ist als internationaler Geoinformationsdienstleister  in der ganzen Welt tätig. Viele Ihrer Mitarbeiter weisen einen Migrationshintergrund auf. Können Sie dies mit Zahlen veranschaulichen?

Christiane Böttcher: Die internationale Ausrichtung von RapidEye ergibt sich schon alleine aus dem  Geschäftsfeld unserer Firma. Da wir weltweit aktiv sind, müssen unsere Mitarbeiter die Besonderheiten der einzelnen Regionen und die jeweilige Landessprache kennen. Wenn wir mit einer Farmer-Vereinigung aus Brasilien verhandeln, muss der entsprechende Mitarbeiter möglichst muttersprachliche Portugiesisch-Kenntnisse haben. Er reichen aber nicht nur die Sprachkenntnisse allein, man muss auch ein gutes Gespür für die andere Nation haben und mit dem Kulturkreis vertraut sein. Entsprechend international ist auch unsere Belegschaft. Bei uns arbeiten Vertreter aus 22 Nationen, von insgesamt 105 Mitarbeitern haben ca. 34% einen Migrationshintergrund.

Und wie hoch ist das Durchschnittsalter?

Christiane Böttcher: Unser Team ist relativ jung, das Durchschnittsalter liegt bei Ende Dreißig. Ca. 35% unserer Belegschaft sind Frauen, viele haben Babys oder kleine Kinder. Die meisten Mütter bleiben ca. ein Jahr zu Hause, die Väter nehmen gerne die zwei Monate Elternzeit in Anspruch.

Sie sind Preisträger des Wettbewerbs „Kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz“ und haben in der Kategorie KMU den 3. Platz belegt. Was bedeutet für Sie Diversity und was hat das mit einem Geoinformationsdienstleister wie RapidEye zu tun?

Christiane Böttcher: Diversity Management ist für uns sowohl ein Teil der Imagebildung als auch eine Notwendigkeit im Betriebsalltag. Unsere Produkte sind international und die Kunden sind auf der ganzen Welt verteilt. Egal, ob ein Kunde aus Nordamerika oder Europa kommt, wir müssen uns auf die lokalen Gegebenheiten einstellen.

Seit wann gibt es bei Ihnen Diversity Management? Was hat sich seither in Ihrem Unternehmen verändert?

Christiane Böttcher: Der Begriff Diversity Management wird bei uns nicht extra thematisiert sondern gelebt. Die Idee war von Anfang an, eine internationale Firma mit internationalen Mitarbeitern aufzubauen. Der Ansatz kommt aber eher von unten aus der Belegschaft und nicht von oben.

Spielen für Sie die sogenannten weichen Standortfaktoren im Zusammenhang mit dem bestehenden Fachkräftemangel eine Rolle?

Christiane Böttcher: Bei der Suche nach hochqualifizierten Arbeitskräften haben wir diese Frage  bereits zu spüren bekommen. Unsere Spezialisten sind stark in der Industrie nachgefragt und es ist nicht immer leicht, sie nach Brandenburg an der Havel zu holen. Wir werben viel mit der Nähe zu Berlin, aber nicht nur. Ich glaube, unsere Mitarbeiter fühlen sich ganz wohl in der Stadt Brandenburg. Zum Anfang, als RapidEye seinen Standort von München hierher verlegt hat, haben noch viele in Potsdam oder in Berlin gewohnt. Zurzeit leben 45% unserer Mitarbeiter in Brandenburg! Ich bin mit meiner Familie auch aus Berlin hierher gezogen. Inzwischen können wir schon von einer eigenen RapidEye – Community hier in der Stadt sprechen, es bilden sich Gruppen nach Interessen, egal, ob es um Theaterbesuche, gemeinsames Essen oder Wasserwanderungen geht. Dieser Family-Gedanke ist sehr wichtig für uns. Wir haben auch bereits drei Paare, die sich hier kennen gelernt haben.

Wie nehmen Ihre Mitarbeiter die Stadt Brandenburg wahr?

Christiane Böttcher: Ausländische Mitarbeiter, die bereits in unterschiedlichen Ländern gearbeitet haben, schauen oft als erstes nach der Entfernung zum Flughafen. Ein kanadischer Mitarbeiter meinte in einem Gespräch mit mir, dass Brandenburg nicht so weit von Paris liegt: 1 1/2 Stunden bis zum Flughafen und dann noch einmal die gleiche Flugzeit Für ihn gilt vor allem, dass Brandenburg in Europa liegt. Und in der Stadt selbst hat sich doch wirklich viel getan. Diese positiven Veränderungen werden natürlich auch von unseren Mitarbeitern wahrgenommen und geschätzt.

Was kann hier Ihr Unternehmen konkret zur Integration in Brandenburg beitragen?

Christiane Böttcher: Wir sind noch nicht so lange in Brandenburg. Nach der Gründung 1998 in München sind wir 2004 nach Brandenburg gekommen . Anfangs hatten wir Räume im Technologie- und Gründerzentrum Brandenburg gemietet. Seit Mai 2006 sind wir im Stadtzentrum, am Molkenmarkt.  Im August 2008 haben wir unsere fünf Satelliten erfolgreich gestartet. Dieses Ereignis haben wir hier in der Stadt mit einem öffentlichen Fest gewürdigt. Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit den Brandenburger Schulen. An der RapidEye SummerSchool haben in diesem Jahr über 100 Schüler teilgenommen. Ich denke, wir sind schon ziemlich bekannt in der Stadt. Die Auszeichnungen, die wir bekommen, werden öffentlich in der Stadt gefeiert. Wir führen regelmäßig Schülerpraktika durch und öffnen unser Haus zu bestimmten Anlässen für Besucher und Delegationen. Weiter bestehen enge Verbindungen  zu der Fachhochschule Brandenburg. Wir betreuen Diplomarbeiten und bieten Absolventen auch Arbeitsmöglichkeiten.

Sie haben Mitarbeiter aus 22 Nationen. Wenn jemand aus dem Ausland kommt, sind für ihn alle einfachen Schritte wie Anmeldung, Kontoeröffnung und Wohnungssuche alleine schon durch die fehlenden Deutschkenntnisse sehr kompliziert.  Bekommen Ihre Mitarbeiter da eine besondere Unterstützung?

Christiane Böttcher: Darum kümmere ich mich persönlich. Ich habe schon sehr gute Netzwerke hier vor Ort aufgebaut. Wenn ein neuer Mitarbeiter kommt, kümmern uns um die Wohnung, Kranken- und Rentenversicherung, ein Bankkonto sowie seine Anmeldung bei der Ausländerbehörde. Inzwischen funktioniert die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und Kassen schon so gut, dass ich vieles telefonisch regeln kann. Aber auch später, wenn die ersten Schritte getan sind, bin ich für die Alltagsfragen die erste Ansprechpartnerin, wenn es zum Beispiel um die Suche nach einem Arzt geht, der Englisch spricht oder wenn die Post, die zu Hause ankam, übersetzt werden muß.

Das Thema „Menschen mit Migrationshintergrund“ ist in den meisten Unternehmen unumgänglich geworden. Wie stark beeinflussen ethnische und religiöse Unterschiede RapidEye und wie wird sich das in Zukunft weiterentwickeln?

Christiane Böttcher: Religiöse Unterschiede sind bei uns kaum spürbar. Dieses Thema tauchte noch nicht explizit auf.  Es gibt aber durchaus je nach Herkunftsland kulturelle Unterschiede. Deutlich sieht man das auch bei dem Umgang mit der Zeit. Wir hatten einen Kollegen, der ein sehr freies Verständnis von seiner Arbeitszeit hatte. Er kam immer am späten Nachmittag zur Arbeit und blieb bis in die Nacht hinein. Die Folge war, dass er nie an Meetings teilnehmen konnte. Nach einem Gespräch wurde eine Lösung gefunden, die alle Seiten zufrieden stellte. Wir haben flache Hierarchien und versuchen, uns soweit wie möglich an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anzupassen.

Haben Sie da noch mehr konkrete Beispiele?

Christiane Böttcher: Wir haben einen behinderten Arbeitnehmer, der einen besonderen Betreuungsaufwand erfordert.  Wir arbeiten hier zusammen mit dem Oberlinhaus und dem Integrationsamt in Potsdam. Hier gilt es oft, ungewöhnliche Lösungen zu finden. Bei einer Präsentation dieses Kollegen haben wir zum Beispiel die Glastür des Konferenzraumes zugeklebt, um dem Raumgefühl des Behinderten besser zu entsprechen. Hat funktioniert.  

Der Erfolg eines Diversity Managements lässt sich meist nicht unmittelbar in der Bilanz eines Unternehmens ablesen. Wie schätzen Sie die Wirkung Ihrer Bemühungen ein?

Christiane Böttcher: Wir können in diesem Zusammenhang tatsächlich kaum Zahlen vorweisen. Aber ich denke, ein gelungenes Diversity Management ist eine Voraussetzung für die Zufriedenheit des Personals und ich glaube, dass unsere Mitarbeiter sich geschätzt und akzeptiert fühlen. Die Akzeptanz drückt sich auch in den Sprachregelung aus. Firmensprache  ist bei uns Englisch, aber die jeweilige Muttersprache bleibt wichtig. In der Kaffeeküche kann passieren, dass alle, die dort zusammenkamen, Französisch sprechen. Sobald jemand dazu kommt, der nicht Französisch kann, wird generell Englisch gesprochen. Interessant ist, dass dann häufig weiter Englisch gesprochen wird, auch wenn die Person, die nicht Französisch verstand, die Gruppe wieder verlassen hat.  Das kommt schon mal vor.

Wir legen sehr großen Wert auf ein gutes Betriebsklima. Sehr gut haben sich unsere Quarterly-Birthday-Parties bewährt. RapidEye zahlt für die Getränke und alle Geburtstagskinder aus dem letzten Vierteljahr bringen Essen mit. Dabei erleben alle die internationale Atmosphäre und die Stimmung ist sehr gut.

Welche Empfehlungen im Hinblick auf Diversity Management würden Sie den kleinen und mittelständischen Unternehmen geben?

Christiane Böttcher: Ich halte sehr viel von den sogenannten weichen Standortfaktoren. Damit die Mitarbeiter sich am Standort des Unternehmens wohl fühlen und der Firma lange erhalten bleiben, ist das Engagement am Betriebsort sehr wichtig. Das Unternehmen muss in der Region bekannt sein. Davon profitieren dann auch die Mitarbeiter. Wir kümmern uns um eine enge regionale Anbindung, indem wir  beispielsweise Diplomanden aus der Fachhochschule Brandenburg betreuen und Schülerpraktika anbieten.

Könnten Sie noch ein paar Worte über sich sagen?

 

Christiane Böttcher: Ich habe ein Dolmetscherdiplom für Englisch und Russisch. Bei RapidEye bin ich seit Januar 2005, zuerst als Office Managerin und später als Personalleiterin tätig. Ich war am Anfang eine der ersten lokalen Beschäftigten und habe mich so auch um alle Alltäglichkeiten gekümmert,  z.B. die Beschaffung von  Papierkörben oder Schreibtischen. In die Personalarbeit bin ich dann nach und nach hineingewachsen. Diese Arbeit macht mir viel Freude und ist immer wieder spannend. Nicht zuletzt durch die kulturelle Vielfalt unserer Mitarbeiter.

Brandenburg an der Havel, 20.07.09

Julia Lexow-Kapp

20.07.09

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