Warum ist Interkulturelle Öffnung auch in Brandenburg notwendig?

Warum ist Interkulturelle Öffnung auch in Brandenburg so wichtig?

Warum braucht die öffentliche Verwaltung Interkulturelle Öffnung?

Warum ist Interkulturelle Öffnung auch in Brandenburg so wichtig?

Wir leben in einer kulturell vielfältigen Gesellschaft. Sie ist vielfältig in vielerlei Hinsicht, dazu gehören auch Menschen mit Migrationshintergrund. Bei den unter 6-jährigen sind die Kinder mit Migrationshintergrund schon fast überall in Deutschland in der Mehrheit. Die Migrationsgesellschaft ist Realität.

Es gibt zwar Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland – sowohl im Umfang als auch in der Zusammensetzung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund – jedoch wächst der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund auch in Brandenburg. Bei den unter 6-jährigen beträgt er hier ca. 11%.

Der demographische Wandel in Deutschland und dessen Herausforderungen sind bekannt: Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter, da immer weniger Kinder geboren werden. Dazu kommt noch, dass immer mehr Menschen aus Deutschland auswandern, vor allem gut qualifizierte, junge Menschen. Seit 2008 wandern mehr Menschen aus Deutschland aus als einwandern. Gerade aus den neuen Bundesländern gibt es eine große Abwanderung. Der daraus resultierende Fachkräftemangel ist schon lange auch in Brandenburg angekommen.

Eine weitere Tatsache ist die Globalisierung und Internationalisierung der Wirtschaft. Auch der deutsche Markt wird immer vielfältiger.

Brandenburg braucht daher dringend Zuwanderung. Wo in anderen Teilen Deutschlands Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung bereits Normalität sind, muss Brandenburg sich noch stärker bemühen, sich attraktiver für Menschen mit Migrationshintergrund zu gestalten. Ansonsten wird es im Wettbewerb mit anderen Regionen nicht bestehen können und wichtiges Potenzial verpassen – auch in Anbetracht der bevorstehenden EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, benötigen wir in Brandenburg eine „Willkommenskultur“, so dass der Standort für Menschen mit Migrationshintergrund als Wohn- und Arbeitsort stärker in Betracht gezogen wird. Durch interkulturelle Öffnung werden Betriebe in Brandenburg zukunftsfähig, indem sie sich auf die Realität der Migrationsgesellschaft einstellen. Sie können dadurch ihre Chancen erhöhen, Fachkräfte mit Migrationshintergrund zu gewinnen. Auch für den Umgang mit der bereits bestehenden Vielfalt ist interkulturelle Öffnung ein hilfreicher Ansatz – u.a. um für bestehende Unterschiede und Ungleichheiten zu sensibilisieren und Chancengleichheit zu gewährleisten.

Warum braucht die öffentliche Verwaltung Interkulturelle Öffnung?

Um die Realität der Migrationsgesellschaft auf allen Ebenen anzuerkennen, alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen und zu einer bürgerorientierten Verwaltung zu werden, muss kulturelle Vielfalt bei allen Prozessen, Strukturen, Dienstleistungen und Produkten der Verwaltung berücksichtigt werden. Diese müssen daher daraufhin überprüft werden und so gestaltet werden, dass sie für alle gleichermaßen zugänglich sind. Die Berücksichtigung der gesamten Bevölkerung trägt zur Qualitätssicherung des Verwaltungshandelns bei.

Mit einer „Willkommenskultur“ in Verwaltungen kann die Kommune oder das Land als attraktiver Standort bekanntgemacht und dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Die öffentliche Verwaltung kann und muss als größter Arbeitgeber beispielhaft vorangehen, wenn es darum geht, kulturelle Vielfalt und Verschiedenheit wertzuschätzen, gezielt zu fördern und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund zu gewährleisten.

Der Staat als Gesetzgeber hat die Möglichkeit, mithilfe einer Vielfalt berücksichtigenden Politik die rechtlichen Grundlagen für Chancengleichheit zu schaffen. Deshalb hat die öffentliche Verwaltung eine Schlüsselfunktion bei der konsequenten Umsetzung des Prozesses der interkulturellen Öffnung.

Die EU ist hier mit ihren Antidiskriminierungsrichtlinien vorangegangen. Einen Überblick über positive Maßnahmen im Zusammenhang mit diesen Richtlinien gibt eine [Studie] der Europäischen Kommission. In Deutschland gibt es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das diese Richtlinien umsetzt. In vielen Verwaltungen werden zudem zunehmend Diversity-Prinzipien wie Gender Mainstreaming, Cultural Mainstreaming bzw. interkulturelle Öffnung, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Vereinbarungen für ein partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz etc. in die Personal- und Organisationsentwicklung integriert.

Betriebe und Verwaltungen sind allerdings nicht allein für den Prozess der interkulturellen Öffnung in Brandenburg verantwortlich. Sie muss eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe werden. Die Infrastruktur, z.B. Erziehungs-, Bildungs- und Beratungseinrichtungen etc., muss ebenfalls auf die Berücksichtigung von Menschen mit Migrationshintergrund hin überprüft werden, um so das Bundesland als Lebens- und Arbeitsumfeld attraktiver zu machen – sowohl für die bereits hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund als auch zur Förderung des Zuzugs von Fachkräften.

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