Good-Practice-Beispiele

Gibt es Beispiele von Betrieben in Brandenburg, die Interkulturelle Öffnung bereits umsetzen?

Interkulturelle Öffnung und Diversity Management verbreiten sich langsam aber zunehmend in Deutschland. Die Vorreiterrolle auf dem Gebiet des Diversity Management haben vor allem große Unternehmen und Niederlassungen amerikanischer Unternehmen wie IBM, Hewlett-Packard, Ford, Deutsche Bank und IKEA gespielt. 

Aber auch immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) in Brandenburg setzen Instrumente der interkulturellen Öffnung bereits ein, ohne es explizit so zu bezeichnen. Insbesondere bei den KMUs werden vergleichbare Aktivitäten in der Praxis oft als Soziale Verantwortung (Corporate Social Responsibility CSR), partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz oder Chancengleichheit bezeichnet und sind eng mit Work-Life-Balance-Initiativen verbunden. Die Verbreitung von Ansätzen interkultureller Öffnung oder Diversity in Brandenburg ist empirisch noch nicht untersucht worden, aber es gibt bereits einige Beispiele für die erfolgreiche Umsetzung.

Bei dem Stahlkonzern ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt wurde erkannt, dass ein positives Betriebsklima und ein nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg unmittelbar mit dem partnerschaftlichen Verhalten, der Integration und Gleichbehandlung zusammenhängen. Von jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter wird in einer Betriebsvereinbarung gefordert, sich jeder Form von Diskriminierung zu enthalten. Bei Verstößen wird zunächst ein Gespräch geführt oder eine Fortbildung angeboten. Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gerechnet werden. Dies gilt gleichermaßen für das Verhalten am Arbeitsplatz und außerhalb.

Die RapidEye AG in Brandenburg an der Havel ist ein global tätiger Geoinformationsdienstleister. Kulturelle Vielfalt ist Firmenpolitik und gelebter Alltag – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 20 Nationen sind in dem Unternehmen beschäftigt. Bei der Wohnungssuche und bei Behördengängen gibt es Unterstützung von einer Kollegin. Von RapidEye organisierte Deutschkurse stehen für alle Familienangehörige zur Verfügung. Außerdem engagiert sich das Unternehmen im Arbeitskreis gegen Rassismus in Brandenburg.

Ein anderes Beispiel ist der Süßwarenhersteller Katjes in Potsdam. Zwei Drittel der Beschäftigten sind hier über 50 Jahre alt. Ältere Bewerber werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt. Die Generationenmischung ist hier ein Teil der Unternehmenspolitik, die dem Unternehmen einen nachhaltigen Erfolg sichert.

In der Betriebsvereinbarung des mittelständischen Unternehmens Feuerverzinkerei Voigt & Müller aus Frankfurt (Oder) ist festgelegt worden, dass im Unternehmen besondere Maßnahmen zur Förderung „benachteiligter Beschäftigter und Beschäftigungsgruppen“ vorgenommen werden. Darüber hinaus wurde vereinbart, dass bei allen personellen Maßnahmen, für die bestimmte Qualifikationen erfüllt sein müssen, vergleichbare Qualifikationen, die nicht in Deutschland erworben wurden, anerkannt werden. Zudem werden im kundennahen Bereich mehrsprachig zusammengesetzte Arbeitsgruppen gebildet, um den Service zu verbessern.

Beispiele in der öffentlichen Verwaltung

Hier sind exemplarisch einige gute Beispiele der interkulturellen Öffnung in der Verwaltung aufgeführt.

Stuttgart gilt als Good-Practice-Beispiel für eine kommunalpolitische Integrationspolitik. Die Stadt versteht sich als „interkulturelle Stadt“.

Essen hat schon 1999 einen Ratsbeschluss über das Ziel „Ausbau der interkulturellen Orientierung in der Stadt Essen“ gefasst.

Die Stadt Jena hat 2008 interkulturelle Öffnung in ihrem Integrationskonzept festgeschrieben und Handlungsziele ausformuliert.

Auch der Stadtrat von München hat 2008 ein Integrationskonzept verabschiedet und geht damit den interkulturellen Öffnungsprozess an.

Einige Städte haben Kampagnen zur Einstellung von Menschen mit Migrationshintergrund in den öffentlichen Dienst gestartet, z.B. Berlin mit „Berlin braucht dich“, Hamburg mit „Wir sind Hamburg! Bist du dabei?“ und „Du bist der Schlüssel“ in Bremen.

Nordrhein-Westfalen hat seit dem Jahr 2000 ein Integrationskonzept und seit 2005 auch ein Ministerium für Integration, dessen Ziel die interkulturelle Öffnung von Regeleinrichtungen wie z.B. Sozial- und Gesundheitsdienste, Verwaltungen und Bildungseinrichtungen ist.

Das Land Brandenburg hat im Jahr 2002 ein Handlungskonzept zur Integration bleibeberechtigter Zuwanderer beschlossen, in dem festgelegt ist, dass „Migranten bei der Einstellung von Personal und der Personalentwicklung im öffentlichen Dienst und bei den sozialen Diensten berücksichtigt und zunehmend vertreten werden“ sollen.

Die Stadtverwaltung in Frankfurt/ Oder hat 2011 begonnen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interkulturell zu schulen – darunter auch die der Ausländerbehörde.

Auch bei der Polizeiwache Schönefeld werden seit Ende 2010 die Polizisten interkulturell trainiert – vor allem im Hinblick auf ihre zukünftige Arbeit auf dem Großflughafen BBI.

Die Charta der Vielfalt – Unterzeichner aus dem Land Brandenburg

Auf Initiative der Deutschen BP, des Daimler-Konzerns, der Deutschen Bank und der Deutschen Telekom wurde die Charta der Vielfalt am 13. Dezember 2006 gegründet. Von den insgesamt weit über 600 Unterzeichnern in Deutschland kommen 43 aus dem Land Brandenburg. Darunter finden sich große und kleine Unternehmen, Verwaltungen und Vereine, Bildungseinrichtungen und andere Institutionen.

Die Unterzeichner der Charta der Vielfalt bekennen sich öffentlich zur Durchsetzung von Vielfalt, Toleranz, Fairness und Wertschätzung in ihren Organisationen. Die Charta bietet den Unterzeichnern bei der Einführung einen einheitlichen Rahmen und systematischen Ansatz. Die Umsetzung der Ziele obliegt den Unterzeichnern jedoch selbst.

Schirmherrin der Initiative ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Koordiniert wird die Charta der Vielfalt durch die Bundesintegrationsbeauftragte, Staatsministerin Maria Böhmer.

http://www.vielfalt-als-chance.de/index.php?id=13

http://www.charta-der-vielfalt.de/index.php?site=start#

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